Die Welt braucht mehr gelassene Frauen ....

Eine ganz normale Frage und du stehst voll im Fettnapf

Eine ganz normale Frage und du stehst voll im Fettnapf

Kennst du diesen Moment, wo dein Gegenüber scheinbar peinlich berührt ist von der Frage, die du gerade eben gestellt hast? Offensichtlich hast du ein NO-GO erwischt und du würdest die Worte am liebsten zurückholen. Es kommt entweder keine Antwort oder eine Verlegenheitsantwort. Und das Gespräch ist beendet. Im besten Fall gelingt ein Themawechsel, aber irgendwie liegt eine Spannung in der Luft, eine ganz ungute Stimmung macht sich breit.

Dir wird bewusst, dass du mit deiner Frage gerade eine persönliche Grenze überschritten hast. Klar, das war nicht deine Absicht. Du bist überhaupt nicht auf die Idee gekommen, dass deine harmlose Frage den anderen so unangenehm berühren könnte.

Es gibt verschiedene Themen, bei denen die Gefahr, ein Fettnäpfchen zu erwischen, groß ist. Heute geht es mir ganz speziell um ein Thema, mit dem sich viele Frauen immer wieder konfrontiert sehen. In einem gewissen Alter sind sie mit schöner Regelmäßigkeit Opfer übergriffiger Fragen. Du ahnst es wahrscheinlich schon. Ja, es geht um die Frage nach den Kindern.

Willst du Kinder haben?

Das ist eine sehr persönliche Lebensentscheidung. Klar, man ist neugierig wie die Einstellung des anderen zu diesem Thema ist. Spätestens dann, wenn Frau den 25. Geburtstag hinter sich hat, beginnt die Fragerei. Die nächsten zehn Jahre (mindestens!) werden die Fragen nicht aufhören, es sei denn, die Frau bekommt Kinder.

Was anfangs noch eine unschuldige, lockere Frage ist, verändert sich im Laufe der Zeit, wird mit fortschreitendem Lebensalter der Befragten immer übergriffiger. Denn die Fragestellung wird eine andere und sie verliert häufig die Wertfreiheit.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es war, als ich in diesem Alter war. Anfangs habe ich die Frage noch mit Begeisterung beantwortet. Denn für mich war es ganz klar: ich will Kinder haben, möglichst früh Mutter werden und ich konnte es kaum abwarten. Der Traum von meinem Familienleben stand sehr plastisch in bunten Farben vor meinem inneren Auge.

Zu diesem Zeitpunkt habe ich es auch nicht als übergriffig empfunden, gefragt zu werden, ob ich Kinder haben möchte. Konnte ich doch ganz locker aus vollem Herzen „JA“ antworten. Bald wird mein Traum Wirklichkeit werden, davon war ich überzeugt.

 

Ich will, aber es klappt nicht.

Doch mit jedem Monat, der ins Land ging, an dem sich wieder keine Schwangerschaft einstellte, wurde es komplizierter. Auf einmal wollte ich diese Frage nicht mehr hören. Denn jedes Mal berührte es meinen größten Schmerz.

Kollegen meines damaligen Mannes begannen richtig dumme Kommentare abzugeben. So nach dem Motto „Na, was ist los? Wird das noch was mit den Kindern? Wenn ihr nicht wisst, wie es geht – ich kann gerne aushelfen“.

Und ich konnte es auch nicht mehr ertragen, wenn Menschen, die mich gerade erst kennenlernten, mir eine so persönliche Frage stellten. Erst habe ich es mit Humor genommen und Antworten nach dem Motto „kommt Zeit, kommt Kind“ oder „wir arbeiten dran“ gegeben. Doch in mir drin bohrte es. Viel lieber hätte ich gesagt „das geht dich gar nichts an“, doch das verbot mir meine gute Erziehung.

„Ich will, aber es klappt nicht“ – diese Antwort kam mir gelegentlich über die Lippen. Und dann hat der Fragende ganz schnell das Thema gewechselt. Bemerkte den Fettnapf und wollte da ganz schnell wieder raus.

Warum hast du noch keine Kinder?

Kinderwunschzeit. Rings um mich herum wurden immer mehr Frauen schwanger. Scheinbar war ich im Bekanntenkreis weit und breit die einzige kinderlose Person. Und jedes Mal, wenn wieder von einer Schwangerschaft oder Geburt berichtet wurde, kam gnadenlos und mit absoluter Zuverlässigkeit dieses „was ist denn jetzt bei dir?“ Und immer öfter schlich sich der Zusatz ein „Jetzt wird es langsam Zeit. Du wirst auch nicht jünger.“

Wo man auch hinging, welche Feier man besuchte, immer waren dort Schwangere und Familien mit Babys und kleinen Kindern. Alle Gespräche schienen sich nur noch um Kinder zu drehen. Klar, dass dann auch immer wieder diese Bemerkungen und Fragen kamen, die darauf abzielten, dass bei mir die biologische Uhr tickt.

Willst du wirklich noch Kinder?

Ich habe irgendwann solche Anlässe vermieden, bin nicht mehr hingegangen. Es war für mich doppelt schmerzhaft. Diese verletzenden Fragen wollte ich nicht mehr beantworten. Zumal niemand die ehrliche Antwort von mir tatsächlich hören wollte. Für die Verzweiflung, dass es einfach nicht klappt, war nämlich gar kein Raum. Das passte nicht in die eigene heile Welt.

Und ich konnte diese strahlenden Mamas nicht mehr aushalten. Wollte diese „Windelgespräche“ nicht mehr hören. Es tat einfach nur weh.

Im Lauf der Zeit schlich sich so ein Unterton ein, nach dem Motto „du willst scheinbar keine Kinder“ und ein leichter Vorwurf, mir ein schönes Leben machen zu wollen und mich der Verantwortung zu entziehen. Richtig bescheuert. Da haben Gedankenlosigkeit und Oberflächlichkeit tiefe Verletzungen geschlagen. Die Kinderwunschzeit wurde zum Albtraum.

Vor kurzem wurde ich auf einen Artikel aufmerksam, den eine Frau geschrieben hat, die sich auch über diese Fragerei ärgert. Saskia sieht sich nicht in der Mutterrolle und ich fand es sehr interessant, zu erfahren, dass auch für sie diese Fragen und das ständige rechtfertigen ein Ärgernis sind. Hier geht es zum Artikel: http://frau-mutter.com/2016/02/04/kinderlosigkeit/

Hast du Kinder? Nein? Gute Entscheidung.

Und dann begannen die jungen Mamas auf einmal mit so Sprüchen wie „Du hast Recht. Du kannst alles machen, was du willst. Weggehen. Reisen. Bist frei und unabhängig.“ Allerdings hatten sie vorher nicht hinterfragt, ob das denn auch meine Wahrheit ist. Ich hätte diese vermeintliche Freiheit auf der Stelle eingetauscht gegen schlaflose Nächte und volle Windeln.

Hey, was ist da eigentlich los? Wieso stülpt man mir die eigene Lebenssicht einfach über? Geht davon aus, dass die Dinge sich bei mir so verhalten, wie die Menschen es sich ausmalen? Irgendwie fühlte ich mich ständig in Verteidigungsstellung. Und als Schutzmaßnahme gab ich Antworten, die mit meinen wahren Gefühlen nichts mehr zu tun hatten. Da wurde von mir eine dicke, hohe Mauer gezogen und ein bisschen Stacheldraht drum herum hielt die anderen mit der Zeit auf Abstand.

 

Raus aus dem Fettnapf!

Wenn du eine Frage stellst, nimm dir Zeit die Antwort zu hören. Und höre wirklich zu, voll Empathie und frei von jeglicher Bewertung. Lass deine eigenen Ansichten, deine eigene Geschichte bei dir. Sei mit deiner vollen Aufmerksamkeit bei dem Menschen, den du gefragt hast.

Dann wird aus Neugier echtes Interesse und Anteilnahme. Der Fettnapf verwandelt sich zur Quelle von Mitgefühl, ermöglicht offenen Austausch und Nähe.

Wenn du redest, dann muss deine Rede besser sein, als dein Schweigen gewesen wäre. Arabisches… Klick um zu Tweeten

 

 

 

Wie geht es dir mit dem „Fettnapf“? In welchem bist du schon gelandet und wie kamst du wieder raus? Erzähl davon im Kommentar und lass mich an deiner Erfahrung teilhaben. 

 

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Jutta Marx

Achtsamkeit und Gelassenheit sind für mich die Schlüssel zu einem Leben in innerem Frieden. Es ist egal, was das Leben dir präsentiert - wenn du bei dir bleibst, in deiner Mitte bist, dann kannst du mit allen Herausforderungen besser fertig werden. Auch die - manches mal extrem herausfordernde - Kinderwunschzeit lässt sich so besser bewältigen. Zeig dem Stress in deinem Leben jetzt die rote Karte!

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