Wie du loslassen kannst, damit du dich großartig fühlst

Wie du loslassen kannst, damit du dich großartig fühlst

Loslassen – lass mich damit in Ruhe

Kennst du diesen Ratschlag „lass doch einfach mal los“? Und den Moment, wo du demjenigen, der dies eben gesagt hat, am liebsten an die Gurgel gehen möchtest?

Du weißt es selber, man muss es dir nicht extra sagen. Loslassen. Klar wäre es besser, dieses Ereignis aus der Vergangenheit, das in deinen Alltag hineinreicht, einfach loszulassen. Doch irgendetwas hindert dich, du kannst es eben nicht so ohne weiteres vergessen und verzeihen, was passiert ist. Kannst die Erinnerung an das Geschehene und deine damit verbundenen Gefühlen nicht einfach so loslassen.

 

Loslassen – wo bitteschön ist der Schalter dazu?

Hört sich so simpel an – lass einfach los. Doch in Wahrheit ist nichts schwerer als das, oder? Leider liefert dir niemand zum Ratschlag auch den Schalter dazu, den du einfach umlegen kannst und alles ist gut.

Die gute Nachricht ist, dass du nicht hilflos ausgeliefert bist. Du bist kein Opfer deiner inneren Bilder, Gedanken und Gefühle. Es gibt tatsächlich viele kleine Schalter, die du umlegen kannst.

Hast du dir schon einmal bewusst gemacht, dass loslassen vom ersten Moment an unseres Lebens dazu gehört? Du bist eine Meisterin, ein Meister im Loslassen. Schon das Ausatmen ist eine Form des Loslassens. Klingt banal, doch was würde passieren, wenn wir den Atem festhielten? Wir könnten nicht erneut einatmen, somit ginge uns der Sauerstoff aus und wir würden unser Bewusstsein verlieren. Gezwungenermaßen ließen wir damit die Kontrolle über unseren Körper los und er übernähme die Regie. Umgehend würde er dafür sorgen, dass der lebenserhaltende Atem wieder einströmen kann.

So ähnlich funktioniert es mit allem, was wir loslassen sollten und nicht können bzw. wollen. Unser Körper wird die Regie übernehmen, uns aufmerksam machen, dass da etwas ist, womit wir uns auseinander setzen müssen. Solange, bis wir es dann endlich tun.

Vertraue dem Leben und lass los

Loslassen braucht eine große Portion Vertrauen in das Leben. Vertrauen darauf, dass es immer eine Lösung gibt. Vertrauen darauf, dass letztendlich nichts Sinnloses geschieht, auch wenn manchmal sehr viel Zeit vergeht und wir schmerzhafte Täler durchschreiten müssen, bis wir erkennen und verstehen.

Wenn du ausatmest vertraust du darauf, dass du ganz selbstverständlich im nächsten Moment wieder einatmest. Das ist etwas, worüber du dir gar keine Gedanken machst. Du vertraust dem Leben.

 

Da gibt es noch eine offene Rechnung

Was kannst du nun tun, wenn es doch dieses Ereignis aus der Vergangenheit gibt, das du nicht loslassen kannst, weil dort noch „eine Rechnung offen ist“ und es keine Vergebung und Versöhnung gab?

Weißt du, dass es Menschen gibt, die nicht gesund werden und andere, die nicht in Frieden sterben können, weil sie einem anderen Menschen oder sich selbst noch nicht vergeben haben?

 

Vergebung ist dein „Loslass-Schalter“

Wer nicht vergeben kann, ist noch an den gebunden, der ihn verletzt hat und lässt sich noch von ihm bestimmen. Vielleicht rebelliert es jetzt schon in dir, möglicherweise berührt dich der Gedanke an Vergebung unangenehm. Lass mich erklären, was ich unter vergeben verstehe.

Vergebung heißt nicht das, was geschehen ist, gut zu heißen. Nein, es bedeutet lediglich zu akzeptieren, dass es so ist, wie es ist. Niemand kann die Zeit zurückdrehen. Niemand kann etwas ungeschehen machen. Egal, wie sehr man sich das auch wünscht. Die Dinge sind, wie sie sind.

Wenn wir dies akzeptieren, hören wir auf, mit den Ereignissen zu hadern und Schuld zuzuweisen. Deshalb kapitulieren oder versagen wir nicht. Wir treffen damit eine starke Entscheidung und lassen uns von den gemachten Erfahrungen nicht mehr den gegenwärtigen Moment verdunkeln. Damit ebnen wir den Weg, innerlich frei zu werden.

 

Befreiung Vergebung Versöhnung

Ein Akt der Befreiung

Vergebung ist ein therapeutischer Akt der Befreiung. Vergebung heißt sich zu lösen, loszulassen, Frieden zu schließen.

Mit ihr entfernst du dich aus der Bindung an den Menschen, mit dem du noch eine Rechnung offen hast, löst dich vom negativen Einfluss. Wenn du vergeben hast, denkst du nicht mehr über ihn nach, denn du hast dich von diesem Ereignis gelöst und es dort gelassen, wo es hingehört – in der Vergangenheit.

Du bist befreit und das, was geschehen ist, hat deine Gedanken und Gefühle nun nicht mehr im Griff.

Innerlich frei zu sein ist ein großartiges Gefühl. All deine Energien sind nicht länger an Ereignisse aus der Vergangenheit gebunden und stehen dir wieder uneingeschränkt für ein Leben voll Freude und Kreativität zur Verfügung.

 

5 Schritte zur Versöhnung

Es lohnt sich für dich, deine Zeit und Energie einzusetzen, damit Vergebung und Versöhnung möglich werden. Fünf Schritte (angelehnt an Pater Anselm Grün) sind es, die Vergebung und Versöhnung ermöglichen. Du kannst diese Schritte alleine gehen oder dich von einem darin erfahrenen Coach unterstützen lassen.

 

Schritt 1: Den Schmerz zulassen

Du wurdest verletzt. Auf die Verletzung mit Schmerz zu reagieren ist ganz natürlich. Ihn zu verdrängen kann schädlich sein. Gib dem Gefühl des Schmerzes Raum. Nimm ihn wahr. Atme, lass deinen Atem ganz weich werden und nimm den Schmerz in dir wahr. Beobachte ihn und atme ruhig weiter. Vielleicht kannst du schon nach wenigen Atemzügen merken, dass der Schmerz seine Schärfe verliert.

 

Schritt 2: Die Wut zulassen

Wut ist ein mächtiges Gefühl. Wer verletzt wurde und sich als Opfer fühlt erlebt meistens Wut. Doch dieses Gefühl haben wir gelernt zu deckeln und es ist möglicherweise sehr tief in uns vergraben und drückt sich so manches Mal in anderen Gefühlen aus, kommt sozusagen maskiert daher.

Um frei zu werden, kann es hilfreich sein, auch deiner Wut Raum zu geben, sie überhaupt einmal wahr zu nehmen. Durch Wut gelingt es dir Abstand zwischen dir und dem anderen zu schaffen. Sie befreit dich aus deiner Opferrolle. Gib deiner Wut Ausdruck, damit sie sich nicht nach innen richtet und dir letztendlich schadet.

Vielleicht suchst du dir draußen einen Ort, an dem du mal deine ganze Wut in die Welt hinausschreien und wo du mal wirklich wie Rumpelstilzchen aufstampfen kannst. Eins ums andere Mal. Mit voller Kraft.

Es geht mir nicht darum, dich zu ermutigen, von nun an mit Wutanfällen deinen Alltag zu garnieren. Ganz im Gegenteil. Je besser du es lernst, deine negativen, energieraubenden Gefühle zu kontrollieren und zu beherrschen, umso wohler wirst du dich fühlen. Alle Gefühle zuzulassen, sie anzuerkennen und ihnen somit die Kraft zu nehmen, uns zu beherrschen, das ist die Kunst.

Ein Bad im Gefühl des Schmerzes, der Wut oder Trauer wird dich immer tiefer in ein negatives Lebensgefühl ziehen. Du hast es in der Hand, dies zu steuern. Je schneller du erkennst, was gerade in dir passiert, umso früher kannst du etwas verändern. Das Gefühl wahrnehmen, weich Atmen, es beobachten und dann wieder gehen zu lassen, holt dich schnell zurück in eine positive Grundstimmung.

 

Schritt 3: Objektiver Beobachter werden

Sind die Gefühle wahrgenommen, gewürdigt und ausgedrückt worden, dann kannst du Erklärungsansätze suchen. Was genau ist geschehen? Was liegt möglicherweise hinter der Reaktion des anderen? Wie hast du agiert?

Versuchen, den anderen verstehen zu lernen, bedeutet in keinem Fall das Geschehene zu rechtfertigen. Wenn du dich und den anderen verstehst, kannst du die Verletzungen leichter loslassen. In diesem Schritt geht es darum, die Rolle des Beobachters einzunehmen, die ganze Situation von einem analytischen Blickwinkel aus zu betrachten.

Um Klarheit zu gewinnen ist es ausgesprochen hilfreich alles aufzuschreiben. Gedanken zu Papier zu bringen ist der erste Schritt, um den Überblick zu bekommen.

 

Schritt 4: Vergebung

Auf Hawai gibt es ein Ritual namens Ho’oponopono. Laut Wikepedia heißt dies „etwas in Ordnung bringen“ (Link zum weiterlesen)  Es wird bei uns in unterschiedlichen Ausführungen gelehrt und gibt uns eine wirkungsvolle Unterstützung zur Vergebung. Die bei diesem Ritual verwendeten Sätze weichen je nach Quelle ein wenig voneinander ab. Ich verwende daraus diese Sätze:

  1. Es tut mir leid.
  2. Ich verzeihe mir meine Unvollkommenheit.
  3. Ich liebe mich.
  4. Ich verzeihe dir deine Unvollkommenheit.
  5. Ich liebe dich.

Wenn es anfangs zu herausfordernd ist, die Liebe auszusprechen, dann lass diesen Teil einfach weg. Geht es dir darum, dass du noch Verzeihung haben möchtest, da du Schuldgefühle in dir trägst, dann variiere und nimm noch einen Satz hinein „Bitte verzeihe mir meine Unvollkommenheit.“.

Schaffe dir eine wohltuende Umgebung, vielleicht mit einem guten Raumduft, Blumen, Kerzen und leiser Hintergrundmusik. Setze dich entspannt, aber aufrecht hin. Lass deine Füße Kontakt aufnehmen mit dem Boden, lege die Hände locker auf den Oberschenkeln ab. Atme mehrere Male tief durch und lass dich ganz in dich hineinsinken.

Dann lass vor deinem inneren Auge die Situation auftauchen, die es gilt zu vergeben und bitte die beteiligte Person, Raum einzunehmen.

Und wenn du fühlst, dass es der richtige Moment ist, dann wiederhole mehrfach die oben beschriebenen Sätze.

Wenn du merkst, dass sich in dir etwas verändert hat, dass es jetzt reicht, dann bedanke dich bei allen Beteiligten und verabschiede sie ganz bewusst. Übergebe die Situation mit einem Gedankenimpuls dem Schöpfer, der Quelle allen Seins.

Du lässt deinen Atem noch ein paar Minuten sanft weiter fließen und kommst dann mit deiner Aufmerksamkeit ganz zurück in deinen Körper. Räkelst und streckst dich. Du hast vergeben und losgelassen. Du bist frei.

 

Schritt 5: Perlen sammeln

Der fünfte Schritt ist die Kunst, die Perlen zu finden und zu sammeln. Dann geschieht Versöhnung mit den Ereignissen.

Eine Perle bildet sich in einer Muschel vermutlich nach einer Verletzung, dem Eindringen eines Fremdkörpers bzw. Befall durch Parasiten. Das Sandkorn, das in die Muschel gerät, ist mit seinen scharfen Kanten natürlich ein Störfaktor – es ist hinderlich, schmerzlich und für den ganzen Organismus gefährlich.

Die Muschel kann den Eindringling nach und nach mit Schichten aus Perlmutt überziehen, ihn umgestalten und auf diese Weise unschädlich machen. Letztendlich wird sie so den Fremdkörper in den eigenen Organismus integrieren. Aus der Bedrohung ist nach einer Weile eine wunderbar schimmernde Perle geworden und die Muschel ist wertvoller, als sie ohne die Störung jemals hätte sein können.

Welche Perlen sind aus den Ereignissen entstanden? Wenn wir diese finden und in unserem Schatzkätzlein des Lebens integrieren, dann ist Versöhnung geschehen.

 

 

Wenn du diese Schritte gegangen bist und Vergebung und Versöhnung möglich wurde, dann wirst du dich großartig fühlen und wissen, dass sich jeder Einsatz dafür gelohnt hat.

 

Von Buddha ist der Spruch überliefert:

„Lerne loszulassen, das ist dein Schlüssel zum Glück.“ Klick um zu Tweeten

 

Welche Erfahrungen hast du damit gemacht? Freue mich auf deinen Bericht im Kommentar.

8 Kommentare an Wie du loslassen kannst, damit du dich großartig fühlst

  1. Hallo Jutta

    Der Artikel ist sehr sanft geschrieben. Er hat mich sehr berührt.

    Schritt 3 „Objektiver Beobachter werden“ hat mich erstaunt, da ich ihn als Schritt 1 gesehen hätte. Den objektiven Beobachter finde ich wichtig um sich selbst besser zu spüren und zu erkennen was gerade in einem läuft. Das ist für mich die Basis, um Bewusstsein zu schaffen.

    Lieben Gruss
    Markus

    • Hallo Markus,

      vielen Dank für dein wertschätzendes Feedback. Da sieht man mal wieder, wie viele verschiedene Wege es zum Ziel gibt. Diese sind wohl so vielfältig, wie die Menschen unterschiedlich sind. Mir ist es nicht möglich, objektiver Beobachter zu sein, wenn es zu dieser Sache noch ein verletztes Gefühl in mir gibt. Ich muss mich erst darum kümmern. Dann werde ich innerlich frei, um neutral und wertfrei hinzuschauen.

      Dir alles Liebe
      Jutta

  2. Hallo Jutta,

    deinen Artikel habe ich mit sehr viel Interesse gelesen. Ich finde auch, dass man durch genaues Zuhören seinen Gegenüber besser einschätzen kann. Je aktiver man auf seinen Gesprächspartner eingeht, desto positiver wirkt man aufeinander und desto einfacher ist auch das Gespräch finde ich.

    Habe mir weitere Gedanken dazu gemacht, die du hier findest: https://www.youtube.com/watch?v=ZmAUlWLxelQ&list=PLp21M5oHbM2b-zL1GWq9xm2VATkVjM4Vi

    Liebe Grüße,
    Marko Huemer

    • Hallo Marko,

      danke, dass du dir die Zeit genommen hast für ein Feedback. Dein Video habe ich mit Interesse angeschaut. Sehr gut gemacht. Ich wünsche dir damit viel Erfolg.

      Herzliche Grüße
      Jutta

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Jutta Marx

Achtsamkeit und Gelassenheit sind für mich die Schlüssel zu einem Leben in innerem Frieden. Es ist egal, was das Leben dir präsentiert - wenn du bei dir bleibst, in deiner Mitte bist, dann kannst du mit allen Herausforderungen besser fertig werden. Auch die - manches mal extrem herausfordernde - Kinderwunschzeit lässt sich so besser bewältigen. Zeig dem Stress in deinem Leben jetzt die rote Karte!

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