Es liegt was in der Luft. Ist beinahe mit den Händen zu greifen. Und trotzdem ……….

….. passiert es. Ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit und dieser Dödel, nimmt mir einfach die Vorfahrt. Als Radfahrerin lebt man in dieser Stadt manchmal ganz schön gefährlich. Der Schreck lässt mein Herz schneller schlagen und die Knie zittern. Immer wieder diese rücksichtslosen Autofahrer. Wie ein Rohrspatz schimpfe ich innerlich vor mich hin. Und fluche laut. Ganz schön untypisch für mich.

Und kaum bin ich ein paar Meter weiter gefahren, schon kommt ein Fußgänger, der einfach auf die Fahrbahn tritt und mich zu einem heftigen Bremsmanöver zwingt. Mensch, pass doch auf! Pass auf mich auf! Ich fühle mich ziemlich genervt, dass ich mich schon wieder so erschrecke, weil jemand anders mich nicht sieht und so in Gefahr bringt. In mir brodelt und kocht es.

 

Es liegt was in der Luft – pure Aggression

Neben mir geraten gerade zwei Fußgänger in deutlich hörbaren Streit. Wow, da geht’s aber zur Sache. Ein paar Schritte weiter beginnt ein Kind heftig zu plärren. Ganz offensichtlich hat es mit seiner Mutter Ärger bekommen und wird grob am Arm festgehalten und geschüttelt. Das sieht schmerzhaft aus. Die Mutter hat einen unglaublich zornigen Gesichtsausdruck, der schon mich verschreckt. Wie mag es wohl dem relativ kleinen Kind gehen, wenn es so gepackt und angeschrien wird?

Meine Aufmerksamkeit wandert zu einem jungen Mann, der plötzlich sehr aggressiv und lautstark in sein Handy spricht. Hey, was ist denn heute los? Was liegt da in der Luft? Haben wir Föhn? Irgendwelche kosmischen Störungen? Sind denn alle verrückt geworden?

 

Es fühlt sich gerade extrem unangenehm an. Es liegt was in der Luft. Die aggressive Grundstimmung ist förmlich mit den Händen zu greifen. Mir gelingt es nicht mehr, bei mir zu bleiben. Ich bin voll in Resonanz und mein Fokus hat sich so gedreht, dass ich gerade nur Szenen wahrnehme, die dieses wütende, verurteilende und verärgerte Gefühl in mir deutlich intensiver werden lassen. Bäh.

 

 

Es liegt was in der Luft und ich halte das nicht mehr aus

Das ist mir zu viel. Nichts wie weg hier. Pfeif auf die Besorgungen, die noch auf der Liste stehen. Raus aus der Stadt. Weg von dieser merkwürdigen Energie, die heute in der Luft zu liegen scheint. Weg von diesen vielen aggressiven Menschen. Ganz schnell nach Hause radeln. Rückzug.

Doch ich fühle eine tiefe Unruhe in mir. Bin schon bei der bedrohlichen Begegnung mit dem Autofahrer in Resonanz gegangen mit Gefühlen von Angst, Wut und Ärger. Habe mich anstecken lassen von dieser aggressiven Grundstimmung, spüre Unzufriedenheit. Merke die Anspannung körperlich. Das kann doch nicht wahr sein. Was ist nur los? So macht das keinen Spaß. Zeit etwas zu ändern.

 

 

Mein Körper fühlt sich so hart und verspannt an, den nehme ich mir als erstes vor. Erst einmal schüttle ich ihn aus. Weg mit diesen komischen Energien, die an mir zu kleben scheinen. Die Arme und Hände lasse ich ganz kräftig in Richtung Boden sausen. Meine Beine schüttle ich aus und stampfe mehrfach auf den Boden. Springe auf und ab.

Und weil mich gerade niemand hören kann, erlaube ich mir zwei, drei laute Schreie. Raus mit diesem Zorn und Ärger. Fühle mich schon beinahe wie Rumpelstilzchen, als es wütend ums Feuer tanzt, weil es sich ärgert, dass die Königin seinen Namen herausgefunden hat und es das Kind deshalb nicht wie vereinbart bekommen wird. Das tut gut.

Resonanz – warum?

Zumindest körperlich hat sich da schon ganz gut etwas gelöst. Doch das war nur der erste Schritt. Es ist sehr deutlich wahrnehmbar, dass heute ein Tag zu sein scheint, an dem ich mich mit mir und meinen Gefühlen beschäftigen darf. Es hat seinen Grund, warum ich gar so in Resonanz gegangen bin mit dieser aggressiven Grundstimmung. Ähnliche Situationen erlebe ich bei meinen täglichen Wegen per Rad häufig und reagiere üblicherweise bei weitem gelassener darauf.

Kurz liebäugle ich damit, jetzt eine Freundin anzurufen, meinem Ärger auf diese Weise Luft zu machen. Oder mir ein Buch zu schnappen, um auf andere Gedanken zu kommen. Diese Strategie habe ich früher das eine oder andere Mal schon angewendet. Verdrängung und Ablenkung. Ändern tut sich damit dauerhaft nichts. Denn das, was da in mir brodelt, will angeschaut werden. Es liegt was in der Luft. Veränderung. Transformation.

 

 

 

Das Leben hat mich schon öfters in solche Situationen gebracht und ich weiß, dass es letztendlich zu meinem Vorteil ist, wenn ich mich damit auseinander setze. Doch wirklich angenehm ist es erst einmal nicht.

Mehr Spaß würde es machen, mich in die Eisdiele zu setzen und „la dolce vita“ zu praktizieren. Doch wer weiß, vermutlich würden mir dann doch nur laufend irgendwelche komischen Sachen begegnen, bis ich endlich zuhöre und mich dem stelle, was da gerade so an die Oberfläche kommen mag.

Rückzug und los geht’s

Ok. Dann geht es jetzt an die Arbeit. Rückzug. Rückzug aus allem, was mich ablenken kann. Wenn ich mit meinen Gefühlen arbeite, dann brauche ich Ruhe im Außen. Damit ich meine innere Stimme überhaupt hören kann.

Ich mache es mir bequem, lehne mich zurück und beginne zu atmen. Und gebe dieser Wut, die in mir brodelt, Raum. Atme mit ihr. Nehme sie wahr. Und achte auf die Informationen, die ich zu ihr bekomme. Und je mehr Zeit vergeht, umso mehr beruhigt sich die Wut. Atemzug für Atemzug wird sie kleiner. Ja, sie ist ein Teil von mir und ich nehme sie wahr. Doch ich lasse mich von ihr nicht beherrschen.

Ich will in der Liebe leben und aus ihr heraus handeln. Es ist meine Entscheidung.

 

Als die Wut verraucht ist und Stille in mir einkehrt, fühle ich mich schon viel besser. Ich komme wieder in meine Mitte und gewinne meine Handlungsfähigkeit zurück. Ich wurde nicht zur Marionette von meinen Gefühlen. Ich bin und bleibe der Marionettenspieler. Spürt sich viel besser an.

Und ich nehme wahr, dass unter dieser Wut noch eine ganze Menge ist, was angeschaut werden will. Es tauchen Szenen aus meinem Leben auf, die teilweise schon Jahrzehnte zurück liegen. Momente, in denen ich körperlich oder emotional verletzt wurde. Szenen in denen ich übersehen wurde. Situationen, in denen ich mir oder anderen noch nicht in aller Tiefe vergeben hatte. Erstaunlich, was sich alles so in den tiefsten Schichten verborgen hält. Trotz der vielen Prozesse, durch die ich im Laufe meines Lebens schon gegangen bin, gibt es immer noch etwas zu tun. Alles braucht seine Zeit.

 

Es liegt was in der Luft – Heilung und Versöhnung

Die Energie, die heute in der Luft liegt, scheint die Möglichkeit zu öffnen, dass sich vieles zeigen darf, was sehr, sehr lange gut verschlossen und versteckt in mir schlummerte. Die Zeichen stehen auf Versöhnung. Versöhnung mit all dem, was noch einer Vergebung, einer Entschuldigung oder des Loslassens durch Annahme und Akzeptanz bedarf. Und heute in erster Linie auf Versöhnung mit all meinen Gefühlen, auch mit denen, die ich nicht so „salonfähig“ finde und negativ bewerte.

Alles, was sich zeigen möchte, darf sein. Es bekommt Zeit und Raum. Ich lasse meinen Atem sanft fließen und ströme diese Situationen, die sich vor meinem inneren Auge zeigen mit der Energie der Liebe, tauche die Szenen abwechselnd in violettes, goldenes und rosarotes Licht. Heilung geschieht.

Nach einiger Zeit bleibt es still und ruhig in mir. Keine weitere Szene taucht auf. Es ist gut. Fühle mich erschöpft. Für eine Weile bleibe ich noch ganz still sitzen, genieße den Frieden, die innere Ruhe, die Stille, die dadurch in mir entsteht. Spüre die Kraft, die darin liegt. Atemzug für Atemzug.

 

Es liegt was in der Luft – die Kraft der Liebe

Nach dieser intensiven Arbeit sehne ich mich nach ein wenig Bewegung und frischer Luft. Nichts wie raus in meine geliebten Isarauen. An der Isar durfte ich schon so manches loslassen und dem Fluss übergeben. Losgelassen habe ich heute schon genug. Jetzt tanke ich auf. Genieße die Sonne, freue mich an den herbstlichen Farben und der Kraft, die von den wunderbaren Bäumen ausgeht. Dankbarkeit.

Mit jedem Schritt habe ich das Gefühl, dass sich mein Herz weiter öffnet. So dass immer mehr Raum entsteht, um die Liebe des Universums, die mich trägt, einfließen zu lassen. Plötzlich ist eine Liedzeile in meinem Kopf

Das will ich mir schreiben in Herz und in Sinn, dass ich nicht für mich nur auf Erden bin. Dass ich die Liebe von der ich lebe, liebend an andere weitergebe.

Herz an Herz und Hand in Hand wandern wir ins versprochene Land.

 

Ich habe dieses Lied bei Susanne Goebel (Klangrund) kennengelernt. Es ist auf ihrer CD „Feel the Spirit“ zu finden. Der Verfasser der ersten beiden Sätze ist unbekannt. Der dritte Satz stammt von Susanne Goebel.

Mit diesem Lied im Herzen und auf den Lippen spaziere ich voll Freude durch die Isarauen und bin der Energie, die heute in der Luft liegt, ausgesprochen dankbar. Ich fühle mich so viel leichter und lebendiger als noch vor wenigen Stunden.

Es liegt was in der Luft und ist beinahe mit den Händen zu greifen ….. Dankbarkeit.

 

 

 

Mach dir dein Leben leichter

3 Schritte zur inneren Freiheit