Gedankenkarussell nonstopp

„Seit Tagen kann ich nicht mehr durchschlafen. Sobald ich aufwache, springt mein Gedankenkarussell nonstopp an. Ständig frage ich mich, warum ich mich damals entschieden habe, das Angebot von Hakaludo für zwei Jahre nach Chile zu gehen, auszuschlagen. Chile war mein Traumland seit langer Zeit.

Und ich dumme Kuh entscheide mich dagegen, weil Franz keine Lust hatte mitzukommen. Denn ich wollte ihn immer an meiner Seite haben. Und was ist jetzt? Stell dir vor, dieser Typ hat sich eine neue Frau gesucht! Ich sitze jetzt da „mit gewaschenen Hals“ und habe nichts mehr. Jobangebot ausgeschlagen. Franz ist weg. Ich sitze in einer Stadt, in die ich nur ihm zuliebe gezogen bin, habe einen langweiligen, nicht übermäßig gut bezahlten Job und echt keine Lust mehr auf den ganzen Mist. Wie konnte ich nur so blöd sein?“

 

Decke über den Kopf – ob das hilft?

Dicke Tränen laufen über Vanessas Backen, als sie mit ihrer besten Freundin Magda skypt. „Oh weiha, da ist ja komplett Land unter bei dir. Was möchtest du denn jetzt tun?“ „Am liebsten würde ich mir nur noch die Decke über den Kopf ziehen und von nichts mehr etwas hören oder sehen. Und ich will endlich dieses Dauergequatsche in meinem Kopf stoppen. Das Gedankenkarussell nonstopp macht mich verrückt. Wie konnte ich nur so dumm sein? Irgendwie macht alles gerade keinen Sinn mehr. Franz hat mein Leben zerstört.“

 

STOPP das Gedankenkarussell nonstopp

„Also jetzt ist aber gut. Du gehst zu weit. STOPP! Wer ist für dein Leben verantwortlich? Hey, niemand außer dir selbst trägt die Verantwortung für dein Leben. Es sind und waren deine Entscheidungen. Du hast es in der Hand, wie es dir geht.“ Magda ist richtig ärgerlich.

Hat sie doch mit ihrer Freundin Vanessa im Laufe der Jahre so viele Kurse zur Persönlichkeitsentwicklung besucht und sie weiß, dass Vanessa auch die Gesetzmäßigkeiten des Lebens kennt und ein sehr bewusster Mensch ist. Doch augenblicklich ist sie scheinbar im Zimmer des Selbstmitleids gefangen und sieht die Realität nicht mehr.

 

 

Töte das Monster, solange es klein ist

Es gilt zu handeln. Sofort und auf der Stelle. „Töte das Monster, solange es klein ist.“ An diesen Spruch erinnert sie sich gut. Während eines Seminars haben sie beide den kennengelernt und sich darüber so amüsiert. Magda zeichnet gerne und hat damals eine Skizze gemacht, wie sie ein kleines Monster „killt“ und sie stöbert in den Unterlagen von damals, während Vanessa weiter erzählt.

Ja, da ist die Zeichnung und Magda macht mit dem Handy ein Foto von der Skizze und schickt sie an Vanessa. Dass unterbricht ihren Redefluss und Vanessa muss lachen. „Stimmt. Da hatte ich tatsächlich vergessen. Ich füttere gerade das Monster und lass es so richtig fett und groß werden. Danke, dass du mich erinnerst. Gedankenkarussell nonstopp muss nicht sein.“

 

 

Körperhaltung ändern

Durch das Lachen hat Vanessa ihre Körperhaltung schon ein wenig verändert. Sie sitzt nicht mehr ganz so zusammengesunken mit hängenden Schultern vor der Kamera. Da ist noch mehr drin und Magda fordert sie forsch auf „komm, Mädchen, raus aus dem Zimmer des Selbstmitleids, richte dich auf, Brust raus, Schultern nach unten und nach hinten, Kopf nach oben. Wie soll dein Krönchen denn halten, wenn der Kopf so hängt?“

 

Das Krönchen rutscht, wenn der Kopf hängt. Klick um zu Tweeten

 

Und während Vanessa den Anweisungen folgt, spürt sie schon, dass wieder etwas Energie in den Körper zurückkommt. Sie mit einer stolzen aufrechten Körperhaltung als Verlierer zu fühlen geht gar nicht. Die Gefühle folgen dem Körper. Es sind die einfachen Dinge, an die man häufig nicht denkt, wenn gerade die ganze Welt in tiefes Grau versinkt.

 

Ist dieser Gedanke wirklich wahr?

„Ok. Das sieht doch schon viel besser aus. So und jetzt wüsste ich gerne von dir, ob das wirklich wahr ist, was du gerade erzählt hast. Stimmt deine Geschichte? Bist du wirklich schon zu alt, um einen neuen Partner zu finden? Ist der Zug für deine Karriere und einen Aufenthalt im Ausland tatsächlich schon abgefahren? Mein Liebe, erinnerst du dich noch an das Seminar „The Work nach Byron Katie“? Da haben wir doch gelernt, die Gedanken auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen und dadurch so manches Gedankenknäuel aufgelöst.“

„Du hast recht. Das war ein cooles Seminar. Aber ich finde die Unterlagen von damals bestimmt nicht mehr. Es ist ja schon so lange her und ich bin nicht so strukturiert und gut sortiert wie du.“ „Und, macht das was in Zeiten des Internets? Nein. Die Anleitung, wie du mit der Technik umgehen sollst und die passenden Arbeitsblätter findest du im Internet.

http://thework.com/sites/thework/deutsch/thework.asp .

So kannst du dich Stück für Stück, Gedanken für Gedanken durcharbeiten. Und so mancher Gedanke löst sich von ganz alleine auf. Gedankenkarussell nonstopp wird zur Geschichte.“

 

60.000 Gedanken

„Du weißt ja, wir denken jeden Tag etwa 60 000 Gedanken. Die meisten davon sind nicht unbedingt hilfreich und ein ständiges Störfeuer. Und wir denken so oft die immer gleichen Gedanken – eben das berühmt-berüchtigte Gedankenkarussell nonstopp.

Du hast die Macht, einfach Stopp zu sagen, wenn nur noch destruktive Gedanken in deinem Kopf rumspazieren. Nimm wahr, dass sie kommen und lass sie sofort weiterziehen, ohne sie zu beachten.

Richte stattdessen deine Aufmerksamkeit auf die paar Gedanken, die dir wirklich förderlich sind. Du kannst das.“

 

Nachts fährt das Gedankenkarussell nonstopp besonders schnell

„Und was meinst du Magda, soll ich tun, wenn ich nachts wieder wach liege und die Gedanken keine Ende nehmen?“

„Also ich würde zwei verschiedene Dinge ausprobieren. Du hast doch den Bodyscan, den ich dir mal aufgesprochen habe, noch auf deinem MP3-Player. Bevor du grübelnd wach liegst, schnapp dir den Player und höre dich den Bodyscan an. Lenke deine Aufmerksamkeit auf deinen Körper und in deinem Kopf wird es von ganz alleine ruhiger. Die halbe Stunde ist tief entspannend und du schläfst danach bestimmt gut ein.

Wenn du eine große Unruhe in dir hast und nicht zuhören kannst, dann steh auf. Setz dich hin und schreibst mindestens 30 Dinge auf, für die du dankbar bist. Da richtest du deinen Fokus neu aus und kommst in eine gute Energie. Wenn du dich dann wieder hinlegst, bleibst du mit deinen Gedanken bei dem, was du aufgeschrieben hast. Gehe die Liste im Geiste immer wieder durch. Wahrscheinlich wirst du es nicht ein einziges Mal schaffen, denn du schläfst vorher einfach ein mit einem richtig guten Gefühl in dir.“

 

Du musst es nicht alleine schaffen

„Ach, was täte ich ohne dich“ seufzt Vanessa und ihr ist schon viel leichter ums Herz. „Wie schön, dass wir zwei so gute Freundinnen sind“.

„Du, Vanessa, vergiss nicht – töte das Monster solange es klein ist. Ich bin die nächsten Tage in Urlaub und nicht erreichbar. Weder telefonisch noch online. Ich nehme mir eine richtige Auszeit. Wenn du wieder in ein Loch rutscht, sei schlau und rufe gleich die Frau an, die dich vor ein paar Monaten so hervorragend unterstützt hat.“

 

Du musst nicht alles alleine schaffen! Klick um zu Tweeten

 

„Stimmt. Gut, dass du mich erinnerst. Mein Coach. Hatte ich schon komplett vergessen, dass sie mir so fantastisch geholfen hatte, als ich wegen meiner Mutter und ihrer Alzheimer Erkrankung so am Boden zerstört war. Weißt du was, ich hänge mir gleich einen Zettel mit ihrer Telefonnummer an meine Pinwand. Und einen Denk-Dran-Zettel mit deinen Tipps gleich daneben.

Denn das habe ich ja jetzt wieder einmal erfahren, dass ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe, wenn die Stimmung im Keller und das Gedankenkarussell in voller Fahrt ist. Ich danke dir von Herzen und wünsche dir eine grandiose Auszeit.“

 

 

Einladung zum Austausch: Was für Tipps und Tricks kennst du, um das Gedankenkarussell anzuhalten? Lass mich und meine Leser teilhaben und schreib davon im Kommentar. Vielen Dank!